Fußball WM 2026

Das Teilnehmerfeld bei der Fußball WM 2026 wird aufgestockt

Seit dem 10. Januar 2017 ist es offiziell. Der neue FIFA-Präsident Gianni Infantino verkündete stolz bei der Sitzung in Zürich die Aufstockung der der Teilnehmeranzahl auf 48 Mannschaften.

Der FIFA-Vorstand verabschiedete das neue Turnierformat einstimmig nachdem vier verschiedene Varianten besprochen wurden. Mit der Erweiterung des Teilnehmerfeldes löst der FIFA-Präsident eines seiner Wahlversprechen ein. Der neue Modus stellt aus der Sicht des FIFA-Rats die optimale Lösung dar, in welche das sportliche Gleichgewicht, das Wettbewerbsniveau, die Entwicklung des Sports sowie finanzieller und organisatorischer Aspekte berücksichtigt werden. Im Laufe der Zeit ist die Teilnehmerzahl bei der Fußball Weltmeisterschaft kontinuierlich angewachsen. Angefangen mit 13 Teams im Jahre 1930, spielen seit 1998 32 Mannschaften um den Titel. Mit der Aufstockung auf 48 Teilnehmer werden im Turnierverlauf voraussichtlich 80 Spiele ausgetragen.

Wo wird die WM ausgetragen?

Das Bewerbungsverfahren für die Ausrichtung WM 2026 wird im Mai 2020 abgeschlossen sein. Offizielle Bewerber gibt es noch nicht, jedoch werden bereits einige Interessenten und Namen gehandelt. Im Vorfeld wurden möglichen Interessenten aus Europa und Asien eine Absage erteilt. Dies geht aus dem Beschluss des Fifa Councils hervor, da bereits 2018 das Turnier in Europa, Russland, und 2022 in Asien, Katar, stattfinden wird. Um die hohen Anforderungen mit 80 Spielen und 12 Stadien gerecht zu werden, ist derzeit ein Gastgeber-Trio die favorisierte Lösung. Der USA im Verbund mit Kanada und Mexico wird am ehesten zugetraut, diesen Mega-Event zu stemmen. Verantwortliche der jeweiligen Fußballverbände haben bereits Interesse signalisiert.

Deutschland, sieger der letzten WM-2014. AGIF / Shutterstock.com;

Was ändert sich?

Der neue Spielmodus in der Vorrunde

Das derzeit gewohnte Vorrunden-System wird bei der Fußball-WM 2026 geändert. Bislang gilt noch das Format, dass die 32 qualifizierten Mannschaften in acht Vierergruppen die 16 Teams für das Achtelfinale ausspielen. Die ersten zwei in jeder Gruppe qualifizieren sich für die Runde der letzten 16. Der neue Spielmodus teilt die 48 Teilnehmer in Dreiergruppen auf. Die ersten zwei jeder Dreiergruppe gelangen in die nächste Runde, das Sechszehntelfinale. Jedes Team tritt jeweils einmal gegen die zwei anderen Mannschaften in der Gruppe an.

Der Sieger jeder Begegnung erhält drei Punkte, der Verlierer keinen und bei einem Unentschieden bekommen beide Teams jeweils einen Punkt. Noch sind nicht alle Details für das neue Format der Vorrunde geklärt. Jedoch werden schon Stimmen laut, dass das Unentschieden abgeschafft werden soll. Mit der Verlängerung und dem Elfmeterschießen bereits in der Vorrunde sollen klare Ergebnisse erzielt und ein rein taktisch geprägtes Verhalten im letzten Spiel vermieden werden.

Die Rangfolge in der Gruppe wird nach den folgenden Kriterien bestimmt, die aller Voraussicht nach unverändert bleiben. Zunächst entscheidet die höhere Punktzahl aus den Gruppenspielen, wer sich für die nächste Runde qualifiziert. Ist diese bei zwei oder allen drei Teams gleich, so ist die bessere Tordifferenz ausschlaggebend. Erfüllen zwei Teams auch dieses Kriterium, so qualifiziert sich diejenige Mannschaft, die mehr Tore erzielt hat. Schneiden zwei Mannschaften bei den bisherigen Faktoren immer noch gleich ab, so wird als nächstes Entscheidungskriterium der direkte Vergleich der beiden punkt- und torgleichen Mannschaften herangezogen. Endet der direkte Vergleich abermals unentschieden, so entscheidet das Los. Der Fifa-Rat betonte, dass die Dauer der Vorrunde gleich bleiben soll, wobei die Spieleanzahl auf 32 Partien ansteigt.

Das erweiterte Teilnehmerfeld sorgt dafür, dass jeder Kontinentalverband mehr Mannschaften zur Fußball-WM entsenden darf. Legt man den momentanen Verteilschlüssel zugrunde, würde sich die Anzahl der Mannschaften pro Kontinent wie folgt ändern:

Teilnehmer pro Kontinet bei der WM 2014

EuropaSüdamerikaNord-/
Mittleamerika
AsienAfrika
ItalienBrasilienUSAJapanNigeria
NiederlandeArgentinienCosta RicaAustralienElfenbeinküste
DeutschlandKolumbienHondurasIranKamerun
BelgienChileMexicoSüdkoreaGhana
SchweizEcuadorAlgerien
RusslandUruguay
Bosnien-Herzegowina
England
Spanien
Griechenland
Portugal
Frankreich
Kroatien

Europa stellt nun 16 anstatt 13 Teams. Afrika darf nicht mehr nur fünf, sondern 9 Vertreter schicken. Asien entsendet nun 8,5 anstatt 4,5 Teilnehmer. Für Südamerika dürfen nun 6 anstatt 4,5 Mannschaften ins Rennen gehen. Ozeanien bekommt nun einen festen Startplatz und der Verband aus Nord-/Mittelamerika stellt nun 6,5 anstatt 3,5 Teams. Die „halben“ Teilnehmer ergeben sich aus den interkontinentalen Play-Offs mit Hin-und Rückspiel. Der Vierte aus der Nord-/Mittelamerika Zone tritt gegen den Vierten der Afrika-Gruppe an. Die bisherige Play-Off Runde zwischen dem Sieger der Ozeanien-Gruppe und dem fünften der Südamerika-Qualifikation dürfte entfallen. Da die bisherigen Qualifikationsmodi in den einzelnen Kontinentalverbänden auf eine Teilnehmerzahl von 32 Mannschaften ausgelegt sind, ist auch eine Reformationen der Qualifikation denkbar. Beispielweise hat Südamerika nur 10 Landesverbände, von denen bereits sechs automatisch qualifiziert wären.

Aus 16 macht 32: Der neue K.O. Modus

Durch die Aufstockung der Teilnehmer wird auch der K.O. Modus reformiert. Gravierendste Änderung ist zunächst die Neueinführung des Sechszehntelfinales. Insgesamt 32 Mannschaften werden die Vorrunde überstehen und gegeneinander antreten. Die 16 Erstplatzierten sind für die nächste Runde gesetzt und treten gegen die 16 Zweitplatzierten der Vorrunde an. Die genauen Spielpaarungen werden im Losverfahren ermittelt. Um zu vermeiden, dass die gleichen Teams, welche sich in derselben Vorrundengruppe qualifiziert haben, im Sechszehntelfinale erneut aufeinandertreffen, gibt es einen Turnierbaum. Auf diese Weise tritt beispielsweise der Erstplatzierte der Gruppe A im ersten Teil des Turnierbaums auf, während der Zweite der Gruppe A dem zweiten Teil des Turnierbaums zugewiesen wird. Durch das Turnierformat werden auch die darauffolgenden möglichen Spiele festgelegt. So tritt zum Beispiel in der ersten Achtelfinale-Partie der Sieger des ersten Sechszehntelfinales im Turnierbaum gegen den Sieger des zweiten Sechszehntelfinales an. Auf diese Weise wird in jeder weiteren Runde verfahren, bis die beiden Finalteilnehmer feststehen. Eine neue Auslosung der Partien nach jeder Runde wurde bisher nicht praktiziert und ist auch in Zukunft nicht vorgesehen.

JahreTeilnehmer
1930-195013
1954-197816
1982-199424
1998-202232
ab 202648

Im K.O. Modus wird jede Paarung einmal ausgetragen. Es gibt kein Hin-und Rückspiel wie im derzeitigen K.O. Modus der Champions League. Der Sieger des K.O. Spiels erreicht die nächste Runde, der Verlierer fährt nach Hause. Steht innerhalb von 90 Minuten kein Sieger fest, kommt es zur Verlängerung. Nach dem derzeitigen Stand, ist die Einführung einer „Golden Goal“ oder „Silver Goal“ Regelung wie bei früheren Turnieren nicht geplant. Die Verlängerung dauert insgesamt 30 Minuten, mit einer kleinen Pause und dem Seitenwechsel der Mannschaften nach 15 Minuten. Ist nach der Verlängerung keine Mannschaft in Führung und steht somit kein Sieger fest, so kommt es zum Elfmeterschießen. Beim Elfmeterschießen nach dem FIFA-Regelwerk werden vom Trainer zunächst 5 Schützen jeder Mannschaft festgelegt.

Liegt nach diesen insgesamt 10 Elfmetern ein Team vorne, so steht der Play-Off Partie fest und zieht in die nächste Runde ein. Andernfalls tritt ein weiterer Schütze der beiden Mannschaften an. Dies wird solang fortgesetzt, bis einer der Schützen vergibt und der gegnerische Schütze in der gleichen Runde trifft.

Kritik auf die Auslosung von mehreren Seiten

Die Erweiterung der Teilnehmerzahl, vorgeschlagen und forciert durch den neuen FIFA-Präsidenten Gianni Infantino, wurde von mehreren Seiten massiv kritisiert. Auch das DFB-Lager steht dem neuen Format skeptisch gegenüber. Der Bundestrainer Joachim Löw kann in der Aufstockung keine positiven Aspekte sehen. Eine ähnliche Meinung vertreten der Team Manager Oliver Bierhoff und DFB-Präsident Peter Grindel, die mit der Entscheidung nicht glücklich sind und diese neue Turnierform als eine qualitative Verwässerung empfinden.

Der Bundestrainer Joachim Löw. Tomasz Bidermann / Shutterstock.com

Vertreter der Bundesliga wie beispielsweise der Sportvorstand des FC Schalke 04, Peter Heidel, teilen diese kritische Ansicht und sehen vor allem die negativen Folge hinsichtlich der Qualität und der weiteren Kommerzialisierung. Stimmen aus der Spanien wie etwa der Präsident der Spanischen Liga zeigen tiefes Unverständnis für diese Reform. Der neue Turniermodus sei vor allem politisch motiviert, damit der neue FIFA-Präsident die Wahl und die Stimmen der kleineren Länder gewinnen konnte. Hintergrund ist, dass jedes FIFA-Mitglied eine Stimme bei der Wahl des FIFA-Präsidenten hat, unabhängig von der Größe und der Stärke der jeweiligen Mannschaft. So kommt es, dass Deutschland genau wie Amerikanisch Samoa eine Stimme bei der Präsidentenwahl besitzt. Die European Club Associaton als Vertreter der europäischen Vereinsmannschaften sieht keine Vorzüge in der anstehenden Reform. Vor allem die Tatsache, dass viele Interessenvertreter nicht ausreichend in den Entscheidungsprozess miteinbezogen wurden, verärgert die Vereinigung, der Karl-Heinz Rummenigge vorsteht. Der englischen Verband EFA äußerte sich zunächst sehr zurückhaltend und betonte, dass weitere Gespräche notwendig seien, um die genauen Details auszuarbeiten. Mögliche Effekte auf die Fans, die Spieler und die jeweiligen Ligen müssen berücksichtigt werden. Vertreter aus Südamerika und Afrika begrüßten die Aufstockung hingegen. Ihrer Ansicht nach wird sich auf diese Weise der Fußball in der Welt weiter ausbreiten und für mehr Fans zugänglich. Zudem bedeuten mehr Spiele auch mehr Einnahmen, die wiederum für die weitere Entwicklung des Fußballs in der dritten Welt eingesetzt werden. Eine von der FIFA beauftragte Studie gibt an, dass durch die Erweiterung der Turnierform Mehreinnahmen von bis zu einer Milliarde Euro generiert werden.